Biolandbau: Mehr Besuch an den Blüten, weniger ?dnis auf dem Feld

Insektenatlas

Der ?kologische Landbau setzt auf den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit und die biologische Vielfalt. Für eine insektenfreundliche Zukunft muss sich aber die gesamte Agrarlandschaft ?ndern.

Grafik: ?kologischer Landbau in der EU und im EWR*, nach L?ndern 2017 und Entwicklung seit 2012, in Prozent der landwirtschaftlichen Nutz??che, sowie Schad- und Nutzinsekten bei konventioneller und ?kologischer Bewirtschaftung

Verglichen mit der konventionellen Landwirtschaft bietet der ?kologische Landbau den Insekten und der Biodiversit?t deutliche Vorteile. Eine in Deutschland erstellte Metastudie aus vielen Einzeluntersuchungen weist nach, dass auf ?kologisch bewirtschafteten Fl?chen 23 Prozent mehr blütenbesuchende Insektenarten vorkommen als auf konventionellen Fl?chen. Es gibt im Mittel 30 Prozent mehr Wildbienen- und 18 Prozent mehr Tagfalterarten. Nicht nur die Vielfalt der Insekten ist beim ?kologischen Landbau besser, auch ihre Anzahl erh?ht sich: Im Durchschnitt sind 26 Prozent mehr Blütenbesucher auf den Biofl?chen vorhanden, und die Anzahl der Tagfalter ist sogar um fast 60 Prozent erh?ht.

Ein h?ufig genutzter Indikator für Biodiversit?t und Insekten sind Feldv?gel. Auf ?kofl?chen finden sich 35 Prozent mehr Arten, die dort zudem um 24 Prozent h?ufiger vorkommen. Insgesamt sind diejenigen Vogelarten in Deutschland in den vergangenen Jahren zurückgegangen, die sich w?hrend der Brutzeit von Kleininsekten und Spinnen ern?hren. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler führen dies auf den Mangel an Nahrung auf den konventionell bebauten Feldern und auf den fl?chendeckenden Einsatz von Insektiziden zurück.

Grafik: Eiablagen der Schlupfwespe Trichogramma brassicae und  des Maiszünsler
Schlupfwespen geh?ren zu den bekanntesten biologischen Sch?dlingsbek?mpfern. Sie greifen die Eier von ungef?hr 150 anderen Arten an.

Die Gründe für die positiven Auswirkungen des ?kologischen Landbaus auf biologische Vielfalt und Insekten sind verschieden. Er verzichtet auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel, mit denen konventionell wirtschaftende H?fe unerwünschte Kr?uter oder Sch?dlinge bek?mpfen. Problemkr?uter werden mechanisch entfernt oder über eine vielseitige Fruchtfolge mit j?hrlich wechselnden Kulturarten reguliert. Au?erdem verwendet der ?kologische Landbau keinen mineralischen Stickstoffdünger, sondern baut Klee und Luzerne oder Lupinen an. Die Pflanzen binden Stickstoff und sind somit ein guter Dünger. Gleichzeitig bieten sie Insekten Nahrung und Lebensr?ume. Die Metastudie aus Deutschland stellte fest, dass die Zahl der auf dem Acker vorkommenden Wildkr?uterarten beim Bioanbau im Mittel um 94 Prozent h?her lag, und am Ackerrand kamen 21 Prozent mehr Kr?uterarten vor.

Im Getreideanbau sind die Auswirkungen des ?kologischen Landbaus auf die Biodiversit?t besonders gro?, weil das konventionell produzierte Getreide auf einem intensiven Einsatz von anorganischem Dünger und Pestiziden beruht. Best?uber reagieren auf Pestizide sehr empfindlich. Verzichtet ein Biobetrieb auf solche Mittel, nimmt der Reichtum an lokalen Best?ubern zu. Da die Pestizide aber bei Wind driften und die Insekten auch benachbarte konventionell bewirtschaftete H?fe besuchen, k?nnen diese negativen Auswirkungen die positiven überlagern. Dies gilt ebenso, wenn Hecken und Ackerrandstreifen oder andere ?kologische Nischen fehlen. Insgesamt aber sind die Effekte des ?kologischen Landbaus für den Insektenbestand umso positiver, je struktur?rmer und monotoner die Bewirtschaftung in der Region ist.

Insektenatlas 2020

Cover_Insektenatlas 2020

Insektenatlas 2020

Auf jeden Menschen dieser Erde kommen rund 1,4 Milliarden Insekten. Trotzdem sind sie massiv bedroht. Es mag an dieser unersch?p?ich scheinenden Masse liegen, dass das Ausma? der Gefahr viel zu lange kaum Beachtung fand.? Dabei ist ein gro?er Teil der P?anzenwelt auf die ?ei?ige Best?ubung der Insekten angewiesen. Der Insektenatlas 2020 pr?sentiert in 20 Kapiteln Vorschl?ge und L?sungen für Insektenschutz.

Jetzt bestellen oder herunterladen!

?

Kritiker und Kritikerinnen argumentieren, dass aufgrund der geringeren Ertr?ge des ?kologischen Landbaus die weltweite Anbaufl?che wachsen und zuvor ungenutztes Land mit einer hohen Biodiversit?t in die Bewirtschaftung genommen werden müsse. Auf diese Weise kippe die Bilanz des ?kolandbaus ins Negative, denn ungenutztes Land weise eine h?here biologische Vielfalt auf als Land unter ?kologischer Bewirtschaftung. Diese Kritik ist insoweit berechtigt, als dass der ?kologische Landbau in den gem??igten Breiten geringere Ertr?ge erwirtschaftet als im konventionellen Ackerbau. Daher profitiert die Natur von 100 Prozent ?kologischem Landbau nur, wenn durch einen geringeren Fleischkonsum und weniger Verluste an Lebensmitteln Fl?chen eingespart werden. Für den globalen Fleischkonsum von inzwischen 327 Millionen Tonnen pro Jahr werden fast 80 Prozent der weltweiten Agrarfl?chen genutzt. Ein geringerer Fleischkonsum ist also für eine nachhaltige Landnutzung von zentraler Bedeutung.

Bislang fristet der ?kologische Landbau in vielen Industrie- und Schwellenl?ndern ein Nischendasein. Global sind es nur 1,5 Prozent der Agrarfl?chen, in der EU 7 Prozent, wenn auch mit kr?ftigen Zuw?chsen und deutlichen Unterschieden zwischen den Mitgliedsstaaten. In Malta liegt der Anteil bei nur 0,4 Prozent, in ?sterreich aber bei mehr als 23 Prozent der landwirtschaftlichen Fl?che. Als ??kologische Landwirtschaft“ gelten nur zertifizierte Fl?chen.

Es gibt weltweit Nutzungsformen, die auf den grundlegenden Prinzipien des ?kologischen Landbaus basieren: dem Erhalt der Bodenfruchtbarkeit, dem Kreislauf von Boden-Pflanze-Tier und Mensch sowie der Unabh?ngigkeit der H?fe von externen Betriebsmitteln, etwa Futter oder Dünger. Sie sind nicht als ?kologische Landwirtschaft zertifiziert. ?Agrar?kologie“ hei?t das übergreifende Konzept, das weltweit viele zivilgesellschaftliche Akteurinnen und Akteure fordern, aber auch überstaatliche Institutionen wie die UN-Organisation für Landwirtschaft und Ern?hrung. Sie alle treten ein für einen ?kologischen und sozialen Umbau der Agrar- und Ern?hrungssysteme einschlie?lich ihrer Vermarktungs- und Machtstrukturen – und damit auch für eine insektenfreundliche Zukunft.